Kennst du das?
Auf eine einfach Frage, kommt eine lange Antwort, mit Erklärungen:
„Nein, ich möchte heute nicht ins Kino gehen. Ich hatte einen echt langen Tag und bin müde. Außerdem muss ich morgen wieder früh aufstehen und der Tag wird bestimmt genauso anstrengend wie heute. Lass uns doch an einem anderen Tag gehen, okay?“
Einfach:
„Ich bin müde. Ich werde heute früh schlafen gehen.“
Oder:
„Ja, ich könnte mit in die Stadt kommen und dir helfen eine neue Hose zu finden, aber ich muss erst noch die Küche aufräumen, und eigentlich wollte ich noch zum Frisör, aber der ist ja auch in der Stadt, da müsste ich erst noch hin, danach kann ich gucken, ob die Zeit noch reicht, ok?“
Einfach:
“ Ich habe erst noch etwas zu erledigen, in ca. 1,5 Stunden können wir uns in der Stadt treffen, ich bin dann eh dort.„
Was verrät das Wort „eigentlich“ über unsere Gedanken?
Hast du schon einmal darauf geachtet, wie oft du das Wort „eigentlich“ benutzt?
Mir fällt immer wieder auf, dass „eigentlich“ häufig in Situationen verwendet wird, in denen unsere ursprüngliche Absicht nicht mit der Realität übereinstimmt. Es beschreibt oft den Unterschied zwischen dem, was wir vorhatten, und dem, was tatsächlich passiert ist.
Zum Beispiel:
- „Eigentlich wollte ich ins Kino, aber dann bin ich zu Hause geblieben.“
- „Eigentlich wollte ich die rote Hose anziehen, aber sie lag noch in der Wäsche, jetzt trage ich die grüne.“
- „Eigentlich wollte ich heute ausschlafen, aber das Gewitter war so laut, dass ich nicht mehr schlafen konnte, deshalb bin früher aufgestanden.“
In all diesen Beispielen zeigt das Wort „eigentlich“, dass es einen ursprünglichen Plan oder Wunsch gab, der nicht umgesetzt wurde.
Interessant ist auch, dass auf „eigentlich“ häufig ein „aber“ folgt.
Das „aber“ leitet oft eine Erklärung oder Begründung ein. Manchmal dient es dazu, nachvollziehbare Umstände zu schildern – manchmal kann es sich aber auch wie eine Rechtfertigung anfühlen.
Ein Beispiel:
„Ja, ich wollte den Hund ja eigentlich auch rauslassen, aber dann hat das Telefon geklingelt. Wir haben uns verquatscht, eine halbe Stunde war vorbei und der Hund hat ins Haus gemacht.“
Hier wird zunächst die ursprüngliche Absicht genannt und anschließend erklärt, warum sie nicht umgesetzt wurde.
Eine kleine Beobachtungsübung
Achte in den nächsten Tagen einmal bewusst auf deine Sprache.
- In welchen Situationen verwendest du das Wort „eigentlich“?
- Folgt darauf häufig ein „aber“?
- Beschreibst du damit einen gescheiterten Plan, eine unerfüllte Absicht oder erklärst du dein Verhalten?
- Sei dir im Vorfeld dessen bewusst, was du zur Sprache bringen möchtest, was ist die Kernaussage?
- Umschreibe nicht, formuliere klar, mit wenigen Worten die genau das sagen, was du möchtest.
Du brauchst das Wort „eigentlich“ natürlich nicht vermeiden. Es kann hilfreich sein, sich bewusst zu machen, welche Wirkung es auf die eigene Sprache hat und welche Gedanken dahinterstehen.
Vielleicht entdeckst du dabei interessante Muster – und gewinnst ein besseres Verständnis dafür, wie eng Sprache und Denken miteinander verbunden sind.
Klare Kommunikation bedeutet nicht, unfreundlich zu sein. Sie bedeutet, die Verantwortung für die eigenen Bedürfnisse zu übernehmen und diese respektvoll auszusprechen. Das schafft Klarheit, vermeidet Missverständnisse und stärkt gleichzeitig das eigene Selbstbewusstsein.
Probiere es im Alltag einmal bewusst aus: Streiche überflüssige Füllwörter, verzichte auf unnötige Erklärungen und formuliere deine Botschaft so einfach wie möglich. Du wirst überrascht sein, wie kraftvoll wenige Worte sein können.
Denn oft braucht es nicht mehr Worte – sondern mehr Klarheit.





